Zielgruppe und Indikation

Das Angebot richtet sich vorerst an Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, welche aufgrund sozialer Benachteiligungen oder individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind und einer besonderen Förderung bedürfen. Mit Hilfe einer sozialpädagogischen Begleitung wird die soziale Integration und Persönlichkeitsentwicklung sowie der Einstieg in die berufliche Arbeitswelt angestrebt.

In Einzelfällen werden auch jüngere oder ältere Teilnehmer aufgenommen.

Es handelt sich um Jugendliche, bei denen folgende Themen im Vordergrund stehen:

  • Defizitäre Sozialisation bzw. Integration in den Bereichen Familie, Schule, Ausbildung, Berufsleben und sonstiger Umwelt
  • Persönliche und berufliche Orientierungslosigkeit
  • Kein oder schlechter Schulabschluss
  • Familiäre Spannungen, Beziehungsabbrüche, Vertrauensverlust
  • Negative Beeinflussung im sozialen Umfeld
  • Benachteiligungen durch die ökonomische Situation, familiäre Rahmenbedingungen und defizitäre Bildung
  • Pessimistisches Selbstgefühl, Versagenserfahrungen
  • Suchtprobleme
  • Motivationsverlust
  • Defizite in Kulturtechniken
  • Überschuldung
  • Intellektuelle Einschränkungen
  • Lernschwächen, -störungen, -beeinträchtigungen
  • Psychische Traumata
  • Mangel an Kommunikations- und Ausdruckfähigkeit
  • Schwach ausgeprägte soziale Kompetenzen
  • Neigung zu delinquentem Verhalten
  • Von Haftstrafen bedroht oder bereits Erfahrungen im Strafvollzug
  • Perspektivlosigkeit
  • Häufig mit anderen Projekten schwer erreichbar

Work & Box richtet sich an Jugendliche, die ohne eine besondere Unterstützung keinen Zugang zur Arbeitswelt finden und ihre berufliche, wie gesellschaftliche Eingliederung alleine nicht schaffen.

Die grundlegenden Defizite der Teilnehmer sind Verwahrlosung in der familiären Pädagogik, im emotionalen, schulischen und gesellschaftlichen Bereich. Unsere handlungsorientierte Arbeit wirkt sich stabilisierend auf die Teilnehmer aus. Die kontinuierliche ausdauernde Begleitung wirkt der Verwahrlosung in allen Bereichen entgegen, so dass die Jugendlichen Selbstachtung und Orientierung gewinnen, Ziele und Perspektiven sowie Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit entwickeln.
Die Lebensumstände sind von starken emotionalen und strukturellen Defiziten geprägt, zerbrochenen Familien, Kontaktlosigkeit, gesellschaftlicher Misserfolg u. Ähnliches. Der einzige Gemeinschaftsbezug besteht zu Gleichgesinnten.

Betreuungsform

Das Angebot beinhaltet einen konsequent individualisierten und ganzheitlichen Ansatz, um einen Zugang zu den multiplen Problemstrukturen der einzelnen Teilnehmer zu bekommen. Die verlässliche Tagesstruktur, 9:00 bis 15:00 Uhr, beinhaltet ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen mit Jugendlichen und MitarbeiterInnen sowie individuelle lebenspraktische, schulische und berufliche Orientierung bzw. betriebliche Förderung.

Um die Teilnehmer zu erreichen, zu begleiten und zu unterstützen basiert unser Arbeitsschwerpunkt auf vier Bereichen:

  • Einzelfallhilfe
  • Gruppenangebote
  • "Work" (Arbeitsbereich)
  • "Box" (Sportangebot)

Einzelfallhilfe

Um die Teilnehmer bei ihrer Problembewältigung zu begleiten, ist häufig auch die Einzelfallhilfe erforderlich, Elternarbeit, Sozial- und Konfliktberatung in Einzelgesprächen, Beratung und Unterstützung bei der Suche nach Ausbildungsplätzen, Hilfe bei der Wohnungssuche oder der Unterbringung im betreuten Wohnen, Begleitung bei Gerichtsverhandlungen, Aufrechterhaltung der Kontakte bei eventuellen Haftstrafen, Hilfe bei Bewerbungsschreiben u.v.m.

Aufgrund negativer, zumeist unverarbeiteter Vergangenheitserlebnisse steht jeder Jugendliche vor schwer zu überwindenden Hürden, welche seine möglichen Ziele blockieren. Deshalb gilt es, gemeinsam an der  Vergangenheit zu arbeiten bzw. mit dieser in Auseinandersetzung zu gehen. Damit werden Konflikte zur Bearbeitung freigelegt, Hürden abgebaut und ganz neue Perspektiven für den Einzelnen zum Entstehen gebracht.

Notwendig hierfür ist ein tiefes Verständnis des Jugendlichen in seiner spezifischen Lage. Mit Vorwürfen und gut gemeinten Ratschlägen können die Jugendlichen nicht umgehen.

Grundlage der Arbeit bildet ein intensiver Kontakt zu den Jugendlichen, welcher bestimmt ist durch eine respektvolle Haltung und Vertrauen; die Umgebung des Jugendlichen (Eltern, Freunde, Betreuer, Richter, Praktikumsbetrieb usw.) ist auf dieser Basis prinzipiell einbezogen.

Die so entstandene Motivation des Teilnehmers soll täglich in konkrete Handlungen umgesetzt und gefestigt werden.Dadurch ergeben sich weitere Ziele wie:

  • Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen, realistische Selbsteinschätzung
  • Erarbeiten von sozialen Perspektiven
  • Gestalten und Umsetzen von tragfähigen Lebensumständen
  • Krisenmanagement
  • Erarbeiten von persönlichen Perspektiven
  • Erlangung von Ausbildungsreife
  • Erweiterung des individuellen Handlungsrepertoires
  • Erarbeitung und Umsetzung einer beruflichen Perspektive
  • Reflektierter Umgang mit Drogen

Gruppenangebote

Das Angebot beinhaltet eine geschlossene Gruppenarbeit. Durch den systemischen Ansatz finden im selben Rahmen viele Einzel- und Familiengespräche statt. Das pädagogische Konzept beruht auf der konfrontativen Pädagogik von Jens Weidner, wobei hier nur Teile des Konzepts angewendet werden.

Work (Arbeitsbereich)

Auf der Grundlage einer persönlichen und sozialen Stabilisierung erfolgt die berufliche Orientierung und berufliche Vorbereitung der Teilnehmer, das Erlangen von Ausbildungsreife bzw. Arbeitsfähigkeit sowie die Vermittlung in Arbeitsprozesse.

Wesentliche Bestandteile des Projektes sind Aktivitäten zu:

  • Berufsorientierung
  • Berufsvorbereitung
  • Erprobung in der Praxis
  • Organisatorische Unterstützung beim Erlangen der Ausbildungsreife sowie Nachholen von Schulabschlüssen, Schließen von spezifischen Wissenslücken, Erwerb von Basisfertigkeiten
  • Aufnahme von Ausbildung
  • Nachhaltige Integration

Die Berufsorientierung hilft Jugendlichen, welche aufgrund persönlicher Reife, einem wenig förderlichen sozialen Umfeld und negativer Lernerfahrunge noch keine berufliche Orientierung entwickelt haben bzw. Interessengebiete aufdecken konnten. Die Jugendlichen werden dabei unterstützt ihre Kompetenzen, Stärken und Ressourcen zu erkennen und ggfls. zu entsprechenden Testungen bei der Agentur für Arbeit begleitet.

In Einzel- und Gruppengesprächen werden realistische Berufswege- und Lebensplanungen thematisiert. Im Vordergrund steht erst einmal grundsätzlich das genaue, ordentliche und ausdauernde Arbeiten zu lernen. Mit einfachen Arbeiten werden Grundlagen des Arbeits- und Berufslebens sowie Grundkenntnisse und -fertigkeiten, bezogen auf entsprechende Berufsfelder, vermittelt.

Die berufliche Orientierung findet in der Anfangsphase in der internen Werkstatt statt, hier werden die ersten handwerklichen Grundlagen erprobt.
Danach gibt es Hilfestellung bei der beruflichen Orientierung, die beim Hausmeister des Trägers erprobt werden können, hier finden die Teilnehmer ein breites Spektrum in allen handwerklichen Angeboten.
In der Orientierungsphase finden auch Kurzpraktika statt. In den Schulungsräumen werden Bewerbungsgespräche mit den Jugendlichen thematisiert und eingeübt.
Die Berufsvorbereitung hat das Ziel, die Jugendlichen in eine Beschäftigung zu vermitteln (im Idealfall in eine Berufsausbildung) bzw. die Jugendlichen zur beruflichen Eingliederung zu qualifizieren. Bei bisher drei Handwerksbetrieben u. a. Landschafts- und Gärtnerbetrieb, Elektroinstalationsbetrieb und bei einer Baufirma können berufsfeldbezogene Qualifizierung erworben werden.                

In den ersten „externen“ Erfahrungen können sich die Jugendlichen in Betriebspraktika in verschiedenen Bereichen ausprobieren und neben den Berufsfeldern eine geregelte Tagesstruktur erfahren.

In den Betrieben sollen die Jugendlichen, die in der Vorbereitung entdeckten und gewonnenen Fähigkeiten und Schlüsselqualifikationen ausbauen und weiterentwickeln, aber auch spezifische berufsfeldbezogene Kompetenzen entwickeln.

Neben den bestehenden „Partnern“ befinden sich auf dem Gelände der Einrichtung in der Saalmannstraße, einem Gewerbehof, weitere unterschiedliche Gewerke, die sich vorstellen können, einzelne Teilnehmer anzuleiten. Darüber hinaus werden die Jugendlichen aktiv in die Akquise von geeigneten Betrieben bzgl. Praktika eingebunden. In diesen Berufsbereichen können Basisfertigkeiten erworben werden. Die Teilnehmer werden durch eine enge Anbindung an die Sozialpädagogen begleitet.

Die Jugendlichen werden ggfls. hinsichtlich eines nachzuholenden Schulabschlusses organisatorisch unterstützt und im Prozess auch diesbezüglich weiter begleitet. Die Sozialpädagogen unterstützen die Jugendlichen bei formalen Anforderungen und Anträgen hinsichtlich Abendschulen, Fernschulen und sonstigen Schulsystemen und bieten in den Schulungsräumen einen zeitlichen sowie örtlichen Rahmen, damit sich die Jugendlichen mit den schulischen Inhalten beschäftigen können.

Box (Sportangebot)

"Box" steht für die methodische Herangehensweise an das Boxen. Die Sozialpädagogen werden entsprechend der bestehenden Work & Box Companies und deren langjähriger Erfahrung in Taufkirchen geschult und prozesshaft begleitet. Es geht dabei nicht um eine technische Perfektion des Boxsportes, sondern um die Kontaktaufnahme zu den Jugendlichen durch das Boxen. Durch diese Kontakt- und Herangehensweise wird ein direkter Bezug zum sozialen und beruflichen Alltag des Jugendlichen hergestellt.

Am Anfang kann sich ein Jugendlicher durch das Boxen zeigen, d. h. sein Charakter und seine Ängste werden durch sein Verhalten beim Boxen sichtbar. Dann kann jeder an sich arbeiten und in ungewohnten und schwierigen Übungen, die Stress erzeugen, neue Verhaltensweisen im Boxring erstmals einüben.

In den Krisen muss sich der Jugendliche beweisen. Er soll lernen, in jeder Situation einen klaren Kopf zu behalten. Die Veränderung ist im Boxring direkt sichtbar. Danach kann man analog die neuen Verhaltensmuster im Leben umsetzen.

Dadurch erweitert Boxen die Sozial- und Handlungskompetenz der Jugendlichen. Sie sind in der Lage, in Konflikten und Krisen durch neu erlernte Verhaltens- und Handlungsoptionen gesellschaftlich adäquat zu agieren und zu reagieren.

Durch die besonders auffällige Zielgruppe ist eine intensive sozialpädagogische und therapeutische Betreuung, mit dem Schwerpunkt Aggressionsbewältigung, notwendig.

Hinzukommen die körpertherapeutischen Aspekte des Boxens, die der Auseinandersetzung mit der individuellen Gewaltproblematik der Jugendlichen dienen. Hierbei ist das Boxen Mittel zum Zweck.

Parallel zur Arbeit können im Boxring u. a. folgende Themen bearbeitet werden: Achtsamkeit, Respekt, Selbstkontrolle, Niederlage, Angst, Kultivierung der persönlichen Kraft.

Projektablauf

Das Projekt wird für 12 Monate angeboten. Die Projektmodule werden auf die Teilnehmer individuell abgestimmt und können somit für den Einzelnen unterschiedlich lang dauern.

Sobald die Maßnahmen greifen, ist bei vorzeitigem Erreichen der Ausbildungs- oder Arbeitsreife auch ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Projekt möglich.

Aufbau und Ablauf des Projektes sind so gestaltet, dass, unabhängig vom Projekteintritt eines Teilnehmers, ggf. im projektübergreifenden Rahmen, alle modularen Einheiten individuell von jedem Teilnehmer durchlaufen werden können.

Das Projekt gliedert sich grob in 4 Phasen:

1. Phase
Phase des Ankommens und Gehaltenwerdens (Konfrontation mit sich selbst)

2. Phase
Orientierungsphase nach innen: Arbeit mit den Jugendlichen an ihnen selbst und an ihren Problemen
Orientierungsphase nach außen: Erproben der Tragfähigkeit von Verhalten, Kompetenzen im Außenkontakt

3. Phase
Bewerbungsphase: erste Kontaktaufnahme nach außen
Berufswahl: erste Praktika, Vermittlung in den Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt

4. Phase
Stabilisierung der erreichten Ziele durch Kontakt in Krisensituationen
Schwerpunkt: Erhalt der erreichten Ziele


FREIE PLÄTZE

Freie Plätze: Auf Anfrage

KONTAKT

Christine Willms
Telefon 030 / 82 70 53 11
Mobil 0172 / 643 48 19
c.willms@sozialmanufaktur-berlin.de

Benjamin Hölscher
Telefon 030 / 85 07 73 54
Mobil 0176 / 20 95 07 65
b.hoelscher@sozialmanufaktur-berlin.de


PLÄTZE INSGESAMT

14 Plätze für Jugendliche im Alter zwischen 14 bis 18 Jahren


BELEGUNG NACH PARAGRAPH

Work & Box wird nach § 13 SGB VIII belegt